Luftbrücke

Von Ursula Teicher-Maier.

Soldaten bewachen den Flugplatz von Kabul
Sie stehen wie Felsen am Meer aus wogenden Menschen
Menschen in langen Kleidern mit leichtem Gepäck
Drängen auf jene Brücke, legen ihr Liebstes Soldaten ans Herz

Denn draußen bewachen die Taliban das dunkler werdende Land
Sie sind jung und bärtig und küssen zärtlich die Waffen
Und fressen Kreide, bisweilen schießen sie
Fröhlich in die Luft oder in weiches Gewebe

Wer die Brücke betritt hat Flügel und fliegt nach heute zurück
Mancher fällt herab ins versteinerte Lächeln der Stadt
Und des Landes und jener Gesichter, für die Gott
Streng nach dem eigenen Bildnis geformt ist

Siebentausend Kilometer entfernt sitzen der Mann und die Frau
Vor dem Fernseher, sie können sich nicht
Von den Bildern lösen, draußen hält unbemerkt
Der Herbst Einzug im Garten und manches Andere

Das sie nicht sehen können, aber es ist da
Wie die Kriege am Hindukusch, die mit den Bildern
In ihrem Wohnzimmer ankommen, um sich auf der Couch
Und in ihren Köpfen einzunisten wie etwas aus ihren eigenen Zellen

Mann und Frau fragen sich, ob es ausgebrütet sein wird
Wenn die Luftbrücke unter den Füßen der Menschen bricht
Und ob die Flügel dann stark genug sind, um sie zu tragen
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