So funktioniert’s

Von Alf Tondern.

Drei Freunde sitzen zusammen. „Unsere ganze Wirtschaft ist doch pervers“, sagt der eine, der eine Großgaststätte gepachtet hat. „Die Brauerei schreibt mir vor, wie viele Hektoliter Bier ich verkaufen muss – sonst wird der Pachtvertrag nicht verlängert. Wenn ich aber mehr Bier ausschenke, bekomme ich einen Bonus. Zu meinem Unglück hat jetzt nebenan ein Konkurrenzunternehmen aufgemacht.“

„Und was tust du dagegen?“

„Erst habe ich die Gäste länger auf ihr Essen warten lassen, damit sie mehr trinken. Das hat sich nicht bewährt. Ich verkaufe das überschüssige Bier jetzt zu meinem Großabnehmerpreis an eine Landgaststätte weiter; eine der wenigen, die nicht brauereigebunden ist.“

„Unsereiner ist auch nicht auf Rosen gebettet“, klagt der Besitzer eines großen Autohauses. „Der Hersteller besteht ebenfalls auf bestimmten Verkaufszahlen. Deshalb muss ich gegen Jahresende immer gewaltige Rabatte geben, damit ich mein Soll oder sogar einen Bonus erreiche. Diesmal habe ich in letzter Not für die Firma meiner Frau einen Kredit aufgenommen, um den Lieferanten bezahlen zu können – Ende offen.“

„Wenn ihr meine Sorgen hättet“, betont der örtliche Chefarzt, „würdet ihr euch nicht beklagen! Die Klinikleitung hat mit uns Ärzten eine so genannte Zielvereinbarung geschlossen. Auf diese Weise haben wir uns quasi zu einer bestimmten Zahl von Operationen verpflichtet. Übertreffen wir die Vorgaben, gibt es üppige Sonderzahlungen.“

„Aber das geht doch gar nicht, es handelt sich um Menschen!“

„In der Tat, da liegt die Krux.“

„Und was macht ihr da?“

„Das ist vielleicht ein wenig makaber. Aber bei uns werden schnell noch die Verstorbenen operiert und der Totenschein wird erst nachher ausgestellt.“

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