Für Sibylla Schwarz, geboren vor 400 Jahren

Von Christoph Andreas Marx.

Wohin gedenckstu dann mein Sinn? / Ist doch Europa gantz voll Kriegen / Es ist ja warlich kein Gewinn / Von einem stets zum andern fliegen.“

Sibylla Schwarz, die diese Worte schreibt, ist geboren und gestorben im Dreißigjährigen Krieg. 1621, vor 400 Jahren, kommt sie in einer wohlhabenden Greifswalder Familie zur Welt. Doch schnell ist es vorbei mit der glücklichen Kindheit. 1627 wird Greifswald von den Truppen Wallensteins zerstört und geplündert. 1629 herrscht eine Hungersnot. 1630 erreicht die Pest die Stadt. Sibyllas Mutter stirbt daran. 1631 erobern die Truppen Gustav Adolfs die Stadt. Sibylla wird später schreiben: „Pfui / Pfui dich an du schnöde Welt / du trübe Jammer=Schule / du Störefried / du Kummerfeld / du rechter Satans=Buhle! / fahr hin / fahr hin / ich lasse dich / Gott / mein Erlöser fordert mich.“

Sibylla Schwarz wird mit siebzehn Jahren sterben. Sie hinterlässt ein literarisches Werk, das bis heute beeindruckt. Wie ist es möglich, dass ein junges Mädchen solch makellose Sonette, Oden und Lieder schreibt?

Offenbar hat sie eine gute Bildung genossen. Sibylla lernt Latein, kennt die Mythologie der Antike bestens und hat das „Buch von der deutschen Poeterey“ des Martin Opitz gelesen, das Handbuch der barocken Dichtkunst. Schreiben wird zu ihrer Leidenschaft: „Ich weiß nicht, wo ich bin, mein Herz beginnt zu funken, / Durch ungewohnten Brand, die Sprach ist ungehemmt, / Die Feder ist voll Saft und gänzlich ungezähmt“.

Sibylla liebt die Musik: „DIe Music mein ich hier / die Sinn und Muht durchdringet / und mit der Liebligkeit biß in das Marck erklinget. / wo nichtes anders sonst des Menschen Muht bewegt / da ist sie offters / die den Geist in ihm erregt;“

Sibylla liebt die Liebe: „ISt Lieb ein Feur / und kan das Eisen schmiegen / bin ich voll Feur / und voller Liebes Pein / wohrvohn mag doch der Liebsten Hertze seyn?“

Und sie besitzt einen unbeirrten Glauben. Mal formuliert sie ihn als Gewissheit, mal wie ein Gebet: „Laß deinen Freuden=Geist mich trösten für und für / und wenn mich alles läst / so bleib nuhr du bey mir!“

Sibylla sieht den Sinn ihres Schreibens darin, das Göttliche zu erfassen, das, was himmlisch ist und alles durchdringt. So schreibt sie, quasi als ihr Credo: „nuhn / ich will immer auch bey meinen Worten bleiben / und steigen mit dem Sinn des Himmels Leiter an / ein jeder sey bereit / daß er mir folgen kan.“

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