Zwölf Fragen

an Heike F. M. Neumann. Kurz-Interview zu ihrem neuen Gedichtband „Friedenswaisen“.

1.Ihr neuer Gedichtband heißt „Friedenswaisen“…waisen mit ai statt mit ei, warum?

Mein Begriff „Friedenswaisen“ ist eine Essenz in einer Gedichtzeile und steht für die Nachkriegsgeneration. Unsere Eltern hatten immer viel zu viel zu tun, und wir Kinder waren uns mehr oder weniger selbst überlassen… Bei mir kommt der eigentliche Wortsinn hinzu- mein Vater und meine Mutter sind viel zu früh verstorben.

2.Ihre Gedichte sind sehr individuell, trotzdem haben sie einen allgemeinen Kern, den sie mit Ihren Worten aufzubrechen versuchen, dadurch stellt sich auch in einfachen Gedichten Tiefe her?

Ich gehe wie ein Künstler zuwege, in einem Holzklotz ahne ich z.B. anhand der Maserung etwas Verborgenes, Wesentliches, etwas, was sich ergeben könnte, was ich finden möchte, der Rest ist zeitlicher Abstand (auch Geduld) und Arbeit am Wort.

3.Sind Ihre Gedichte also Erinnerungen, gebunden an bestimmte Erlebnisse?

Ja, meine Gedichte sind oft Erlebnisgedichte, oft kleine Geschichten im Gedicht, irgendetwas, was mich inspiriert und nicht losgelassen hat, etwas, was ich weiterdenken musste, etwas, was sich mir offenbart hat, vielleicht ein Geheimnis, was ich gerne mit anderen teilen möchte.

4.Glauben Sie, dass Lyrik das richtige Genre ist, um gelesen zu werden?

Das ist sicher in erster Linie eine Frage der Qualität. Schreib ich so, dass ich auch verstanden werden kann? Fügen meine Gedichte dem bisher Gedachten und Gefühltem Neues hinzu? In zweiter Linie gilt es, Gedichte auch an die Leser zu bringen, nicht nur mit eigenen Lesungen, auch Buchhandlungen und Bibliotheken sind gefordert für Verkauf und Vermittlung. Auch Lehrer, die nicht die Frage an den Anfang bzw. in den Mittelpunkt stellen: Was will uns der Dichter damit sagen…, sondern ein Gedicht ganz individuell wirken lassen.

5.Und wie halten Sie es mit der Wahrheit?

Literatur ist immer Wirkliches und Erdachtes. Ich hoffe, dass meine Gedichte authentisch und wahr sind.

6.Denken Sie beim Schreiben an einen bestimmten Leser?

Nein. Zuerst muss ein Gedicht für mich selbst stimmen.

7.Wie wichtig ist Ihnen die Form?

Die Form meines Gedichtes ergibt sich meist mit dem Inhalt, also gleichlaufend.

8.Haben Sie bestimmte Vorbilder?

Bestimmte Vorbilder nicht, aber die Metaphern von Nelly Sachs faszinieren mich, die Gedichte von Sarah Kirsch und gewisse Offenlegung ihres Lebens in den Gedichten beschäftigen mich noch immer, auch, dass jedes Gedicht von Wislawa Szymborska eine ganz eigene Poetik hat, finde ich außerordentlich… Auch bestimmte Zeilen in Volksliedern sind einzigartig: z.B. „oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir“…

9.Was halten Sie von Literaturtheorie, das Wissen um Anderer Gedichte?

Ja, man sollte sich im Großen und Ganzen schon im Klaren sein, was bereits an Literatur vorhanden ist, allerdings wird es in der Gegenwart immer unübersichtlicher. Ob man ein Literaturstudium haben sollte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich komme aus einfachen Verhältnissen, mir hat das Studium viel gegeben. Auch in Philosophie und Literaturkritik.

10. Warum schreiben Sie in ihren Gedichten alles klein, verkomplizieren Sie damit nicht die Gedichte?

Das sehe ich nicht so, ganz im Gegenteil, es macht z.B., dass nicht einfach drüber gelesen wird, schafft neue Räume zum Selbsterfassen, außerdem erwirken die Zeilen eine gewisse Ordnung und Wichtung. Jede Gedichtzeile ist meist ein Gedanke. Warum sollte ich an ihrem Ende zusätzlich ein Komma setzen, zumal sie zur nächsten Zeile überleitet?

11. Und warum in Ihren Gedichtbänden Illustrationen?

Ich liebe gute, schöne und nachhaltige Bücher- das alles sollte ein Buch vereinen.

12. Sie schreiben auch Kinderbücher und Prosa- was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ich bin kein Schnell- oder Vielschreiber. Und oftmals schreibe ich nebeneinander Gedichte und Prosa. Das ergibt sich einfach und lässt sich nicht unbedingt mit Ratio erklären. Wenn ich aber einem Skript den letzten Schliff geben muss, dann bleibe ich unbedingt dran.

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